25.2.14

Schließung des Haspa-Standortes Ohlstedt – Offener Brief des Bürgervereins Duvenstedt / Wohldorf-Ohlstedt

(Bürgerverein Duvenstedt / Wohldorf-Ohlstedt)

Offener Brief 20.02.2014

An
Hamburger Sparkasse AG
Adolphsplatz 3
20457 Hamburg

Schließung des Haspa-Standortes Ohlstedt, Brunskrogweg 1

Sehr geehrte Damen und Herren,

Anfang Februar erfuhren die Ohlstedter Bürger überraschend von der Schließung der Haspa im Brunskrogweg. Auf Anregung der Mitgliedschaft vereinbarte ich als Vorsitzender des Bürgervereins einen Termin mit Verantwortlichen in der Volksdorfer Filiale. Das Gespräch verlief konstruktiv aber für uns sehr frustrierend. Alle unsere Vorschläge zur Rettung des Standortes wurden von den Herren mit wirtschaftlichen Argumenten ausgehebelt. Die unbestritten vielfältigen Kriterien der Haspa für das Betreiben einer Zweigstelle stehen in grundsätzlichem Widerspruch zur Betrachtungsweise des Bürgervereins. Und selbst als wir uns auf diese Kriterien einließen, nämlich Einsparungen in der Filiale konstruktiv zu begleiten, (was im Endeffekt unsere Absicht war), wurden diese durch Einzelbeispiele und rechtliche Vorgaben abgeblockt.
Wir wollten versuchen, die Herren dazu zu bewegen, den Ohlstedtern doch noch ein Mindestmaß an Service zu bieten. Wir boten an: Reduzierung der Öffnungszeiten zumindest auf die Markttage dienstags und freitags, Verkleinerung der Räumlichkeiten z. B. auf die Hälfte, Verringerung der Personalbesetzung auf ein oder zwei Personen an den beiden Öffnungstagen und die Reduzierung der Anzahl der Schließfächer. All dieses konnten wir uns auch in Kooperation mit einem bestehenden oder in den restlichen Räumen der Sparkasse anzusiedelnden Unternehmen vorstellen in Anlehnung an die Entwicklungen bei der Post. Und wenn dies nicht möglich wäre, haben wir sogar als Minimallösung die Belassung eines Kontoausszugs- und Geldautomaten vorgeschlagen.
Die Ideen wurden samt und sonders mit den unterschiedlichsten Begründungen abgelehnt. Aus der Sicht der Sparkasse gibt es nur zwei Varianten: die voll ausgestattete Zweigstelle, die sich betriebswirtschaftlich rechnet oder aber die Schließung. Alles oder nichts. Was ist das für eine abstruse Geschäftsstrategie für ein Serviceunternehmen?
Von den Haspa-Vertretern wurde hauptsächlich die zunehmende Nutzung des Online-Banking als Argument zur Ausdünnung des Filialnetzes genannt. Und die früher als viel wirtschaftlicher propagierten Automaten (Geld- und Kontoauszüge) seien so teuer in Anschaffung und Unterhaltung, dass sie sich allein aufgestellt ohne Filialanbindung nur noch an höchstfrequentierten Stellen wie Hauptbahnhof, Flughafen oder am Cruise-Center lohnten. An Orten wie in Ohlstedt oder Bergstedt leider nicht! Für alle Bereiche, an denen Zweigstellen geschlossen werden, entfällt automatisch der einzige Vorteil, den Geldautomaten bieten, nämlich Geld nach Geschäftsschluss der Banken zu erhalten. Denn da, wo keine Zweigstelle ist, ist auch kein Automat.
Der Bürgerverein musste lernen, dass heute alle Serviceleistungen des täglichen Geldverkehrs eigentlich nur noch deshalb von den Geldinstituten angeboten werden, um die Möglichkeit zu erhalten, Kunden anzusprechen, die andere Geldgeschäfte machen möchten oder dazu überredet werden sollen. Dem folgend müsste die Zweigstelle Ohlstedt sich eigentlich rentieren, da hier relativ wohlhabende Menschen wohnen. Aber selbst das ist keine verlässliche Größe für die Haspa, da die relativ betagte Bevölkerung ja keine Kredite mehr aufnehmen müsse und keine Lebensversicherungen mehr abschließe! Aber genau diese Altersgruppe ist auf die Service-Leistungen des allgemeinen Geldverkehrs am meisten angewiesen, da sie immobiler ist und weniger Online-Banking nutzt.
Folgt man der Haspa-Strategie, dass nur noch das angeboten wird, was sich betriebswirtschafltich lohnt, müsste man davon ausgehen, dass über kurz oder lang die gesamte Service- und Betreuungsaufgabe im Grundsatz abgebaut wird. Werden nicht schon vermehrt sog. Individual-Center eingerichtet, die räumlich vom normalen Geldverkehr abgekoppelt sind? Wer liefert uns in Zukunft noch Bargeld? Private Handelsketten in freiwilligen, jederzeit revidierbaren oder sogar mit Anforderungen belegten Serviceleistungen?
Weder die Automaten noch das Online-Banking können das Sicherheitsgefühl und die persönliche Beratung und Betreuung der Geldgeschäfte durch Bankangestellte ersetzen. Die Stärke der Haspa war bisher das dichte Filialnetz in Hamburg. Noch heute propagiert sie das Image der tief mit der Stadt verwurzelten Bank. Auf der homepage der Haspa lobt Vorstandssprecher Dr. Harald Vogelsang das Gebaren seines Geldhauses: „Das Wichtigste sind für uns die Qualitäten einer soliden Sparkasse – Nähe, Menschlichkeit und Sicherheit. … Wir legen Wert auf dauerhafte Kundenbeziehungen, viele bestehen generationenübergreifend… . Als andere Banken begannen, Personal abzubauen, haben wir in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter investiert. Als andere Banken meinten, ihre teuren Filialnetze ausdünnen zu können, haben wir unsere Standorte modernisiert und ausgebaut.“
Tja, da können die Ohlstedter Bürgerinnen und Bürger nur noch bitter lächeln. In Ohlstedt heißt unsere Bank bald nicht mehr Haspa!

Hans-Detlef Schulze
1. Vorsitzender Bürgerverein Duvenstedt / Wohldorf-Ohlstedt